Small Business Server für Linux: Zentyal

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Microsoft ist schon lange nicht mehr der einzige Anbieter von Serverlösungen im Office- bzw. Businessbereich für kleinere und mittelständische Unternehmen. Auch wenn Standards wie Active Directory (AD) von Microsoft gesetzt wurden (die wiederum auf anderen freien Standards aufbauen), muss man keinen Windows Server betreiben, um seine Unternehmensstruktur IT-Technisch sicher abzubilden. Ich betreibe seit vielen Jahren produktiv Systeme mit Zentyal und begründe in diesem Artikel warum ich dieses System z. B. einem Univention Coporate Server (UCS) vorziehe. Natürlich spielt hierbei die Verwendung von Ubuntu LTS als zu Grunde liegendem Serverbetriebssystem eine Rolle - aber nicht nur. Der Artikel gibt einen kurzen Überblick über Zentyal, andere SBS-Systeme werden nicht betrachtet.

 

 

Historisches

Die Geschichte von Zentyal kann man in kurzen Zügen auf der Wikipedia nachlesen. Sie ist schon seit geraumer Zeit auf dem Markt und hat ihre Wurzeln im erfolgreichen OpenSource Werkzeug eBox. Die gleichnamige spanische Firma hat das Projekt weiterentwickelt und betreibt es wie mittlerweile viele andere erfolgreiche OpenSource Projekte unter einer dualen Lizenz. Es gibt also eine freie Community Version und eine kommerzielle Version.

Grundsätzliches

Wenn ich Kollegen von Small Business Servern (SBS) reden höre - ein Begriff den Microsoft aus marketingtechnischen Gründen als Namen für eins seiner Produkte gewählt hat, um eine eingeschränkte Version seine Windows Servers zu verkaufen - und es auf die Sprache von entsprechenden Linux-Alternativen kommt dann wird immer wieder das eine oder andere Produkt favorisiert. Dann kommen Aspekte auf den Tisch wie: kostengünstig, Supportmöglichkeiten, Wartbarkeit, gute Community. Alles Aspekte die mit dem eigentlichen System ”Linux-SBS” nichts zu tun haben. Alle, ausnahmslos alle Linux-SBS Varianten setzen auf Standard Linux Distributionen wie Debian, Ubuntu, Redhead, CentOS oder OpenSuse auf und nutzen mehr oder weniger die gleichen Linux-Tools für Ihre Services. Von der Netzwerkfunktionalität, Kollaboration wie E-Mail und Kalender bis hin zu Dateiservices wie Samba 4 nehmen sich daher diese SBS in der Funktionalität nicht viel. Der Administrator muss zunächst einmal alle diese unterliegenden Dienste kennen, auch wenn ihm der Linux-SBS ein gepflegtes Webinterface anbietet um alles geordnet zu verwalten und meist auch eine intermediäre Schicht um die vereinzelt erhebliches Spezialwissen vorauszusetzenden komplexen Konfiguratonsdateien für die einzelnen Services anzupassen. Unterschiede findet man auch im Support, um z.B. Daten aus anderen Systemen in den Linux-SBS zu importieren wie z.B. ein Active Directory aus einer bestehenden Windows Infrastruktur.
Zentyal, von dem hier die Rede ist arbeitet modulbasiert und so können einzelne Dienste bequem über eine Weboberfläche aktiviert und konfiguriert werden. Dies ist sehr praktisch, wenn man verschiedenen Zentyal-Systeme miteinander kombinieren möchte. Ein klassische Beispiel ist hier die Aufteilung in zwei Domain Controller, Dateiserver und einen E-Mail bzw. Groupwareserver. Aus Gründen der Sicherheit ist es geboten diese Dienste zu trennen und mit Zentyal sind solche Subsysteme relativ schnell erstellt.

Kosten - Support oder nicht

Und hier kommen wir gleich zum größten Unterschied zu Systemen wie dem UCS: die freie Version und die kommerzielle Version unterscheiden sich nicht in Ihrem Funktionsumfang. Dies ist bei praktisch allen anderen Produkten mit dualer Lizenz nicht der Fall. Es gibt lediglich eine Einschränkung: eine installierte Community Version lässt sich nicht in eine kommerzielle Version umwandeln. Für den unternehmerischen Einsatz ist eine kommerzielle Lizenz zwar nicht notwendig jedoch anzuraten, da insbesondere Sicherheitsupdates in der Community Version später eintreffen können. Zudem ist die Stabilität der kommerziellen Version wesentlich höher. Ich habe bei der Community Version schon (böse) Überraschungen erlebt, wenn der Hersteller eben mal ein Feature entfernt oder auch etwas nicht mehr korrekt funktioniert. Der versierte Linux- und Zentyal-Fachmann weiß sich natürlich auch nicht zuletzt eines guten Forums zu helfen, doch ein Support und Back-Office ist im unternehmerischem Einsatz eine wichtige Angelegenheit.
Die Kosten für eine kommerzielle Version sind für kleinere Unternehmen überschaubar, unterscheiden sich jedoch langfristig betrachtet nicht sehr von einer Installation eines Windowsservers. Die Kosten müssen bei Zentyal direkt angefragt werden (im Anhang finden sie einen Link zu einem Artikel der auf die Kosten eingeht).
Die Besonderheit und der generelle Unterschied zu Windowssystemen ist aber: sie sind durch die Verwendung des Linux-Kernels von der Hardware unabhängig. Dies macht sich insbesondere beim Wechsel oder Upgrades bemerkbar. Haben sie schon einmal versucht einen XEON-Prozessor auf Ihrem Großrechner hinzuzufügen und sich dann gewundert, das der Windows-Server 2008 R2 aus Lizenzgründen nicht mehr arbeitet, weil sie nun über zu viele Prozessorkerne verfügen? Dann heißt es nachzahlen - und es bleibt ein seltsames Gefühl zurück. Zumindest bei mir.

Windows anbinden - oder: eine Unternehmensstruktur abbilden mit Samba4

Im Office-Bereich sind (derzeit noch) Microsoft-Produkte an der Tagesordnung. Das gleiche gilt für Unternehmensstrukturen die in einem Active-Directory Verzeichnisdienst abgebildet sind. Es müssen zudem Verzeichnisfreigaben verwaltet, Serverprofile und Gruppenrichtlinien angelegt werden. All dies ist durch Samba4 möglich. Die Installation und Konfiguration von Samba4 war bis vor gar nicht allzu langer Zeit ganz und gar nicht so einfach zu bewerkstelligen und schon gar nicht auf Dauer zu warten. In den Standarddistributionen ist dies bis heute von Haus aus nicht der Fall. Aus diesem Grund bieten alle SBS eine komfortable Schnittstelle an. Zentyal macht hier keine Ausnahme.

Kollaboration

Mitarbeiter müssen miteinander kommunizieren. Hier hat sich bei Datensynchronisation zwischen PC und Mobilgeräten ActiveSync und bei Geschäfts E-Mail Exchange für die nahtlose Integration der Microsoft Office-Produkte durchgesetzt. Standards an denen ein SBS nicht vorbei kommt. Dazu ist oft noch Webmail gewünscht.
Als Ersatz für Exchange bietet Linux OpenChange an - nicht zu verwechseln mit Open-Xchange. Zusammen mit dem von Zentyal aktiv mit entwickelten SOGo stellt es eine vollwertige Unterstützung für die Protokolle MS Exchange, ActiveSync, IMAP, POP, CalDAV und CardDAV zur Verfügung und damit eine vollständige Groupware inklusive Mail, Webmail und Anbindung mobiler Geräte praktisch aller gängigen Hersteller zur Verfügung. Abgerundet wird dies noch durch einfach zu installierende Services wie z. B. E-Mail Filter(Greylisting), Antivirus (ClamAV).

Ubuntu LTS, Erweiterbarkeit und Konfiguration

Die kommerzielle Variante von Zentyal setzt jeweils auf der aktuellen Ubuntu LTS Version auf. Das ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil, wenn es um die Wartbarkeit des Systems und um die Zukunftssicherheit geht. Auch der Sicherheitsaspekt spielt eine große Rolle. Die Community Version schließt sich dem halbjährlichen Ubuntu Zyklus der Entwicklerversionen an.
Im Grunde handelt es sich um ein vollkommen standardmäßiges Ubuntu Serversystem. Deshalb läßt sich Zentyal auch einfach als Paketquelle integrieren und wird über das Paketsystem verwaltet. Andere Systeme wie der UCS oder Collax erfordern ein vollkommen eigenes System. Durch eine intelligentes Mason-basiertes Konfigurationsmanagement ist eine fein granuläre Anpassung möglich. Mit sogenannten Hooks und Stubs lassen sich die Dienste sehr gut an persönliche Bedürfnisse anpassen. Zentyal verfügt auch über eine Perl-basierte API, mit der sich. Im Zentyal Wiki finden sich die entsprechenden Dokumentationen hierzu.

Zukunft

Auf Grund der Tatsache, dass alle Linux Small Business Server mehr oder weniger mit den selben Linux-Stack an Diensten verwenden ist es im Grunde eine Frage der persönlichen Präferenz welches Produkt man verwendet. Mir sind die Spanier sympathisch, das Produkt wird sehr verlässlich gepflegt und es gibt keine Restriktionen hinsichtlich der Verwendung der Community Version.

Quellen

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