Libreoffice oder Openoffice

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Der Platzhirsch unter den Textverarbeitungssystemen ist derzeit sicherlich noch die Office Suite aus Redmond. Über Marktanteile soll es in diesem Artikel jedoch nicht gehen, auch wenn die beiden genannten und eng verwandten freien Office-Suites Open Office und LibreOffice mittlerweile in Deutschland an die 22% heran reicht. Der Autor arbeitet seit den frühen Tagen von StarOffice mit allen Nachfolgern dieser Office Suite: Open Office und nun auch LibreOffice. Diese sind nicht nur im heimischen, sondern auch im professionellen Umfeld im Einsatz, teilweise mit Datenbankanbindung. Eine kurze Abschätzung der vergangenen und zukünftigen Entwicklung wird vorgenommen. Welche Vorteile bringen die quelloffenen Office-Software-Suites im Bürobereich? Worin liegen die Unterschiede zwischen beiden Kontrahenten? Gibt es Konkurrenten? Welche Einsatzszenarien lassen sich mit welcher Suite verwirklichen? Dies soll dieser Artikel aufzeigen.

 

 

 

Updates:

02-09.2016: Wie die Apache Foundation berichtet, denkt man akutell auf Grund des Entwicklermangels über die Einstellung des OpenOffice Projektes nach.
Nachzulesen unter anderem hier: Apache diskutiert über Ende von Open Office (Heise, 02.09.2016)

 

Der Weg zu freier Standardsoftware ist ”frei”

Ich wurde und werde nicht müde, den Menschen immer wieder zu erklären, dass es - zu allen Zeiten - durchaus bessere Alternativen zur allseits bekannten Office Suite aus Redmond gibt und gegeben hat. Selbst proprietäre Software wie die Smartsuite von IBM war Anfang und Mitte der 90er Jahre - meiner persönlichen Erfahrung nach - um ein vielfaches attraktiver und benutzerfreundlicher denn besagter Platzhirsch.
Die Smartsuite fand bei mir in allen wichtigen Bereichen für die Dokumentenerstellung, Präsentation, Tabellenkalkulation und auch Datenbankanwendungen Verwendung (mittlerweile gibt es die Smartsuite nicht mehr, IBM entwickelt auf Basis von Open Office).
 
Irgendwann jedoch - noch nicht als Informatiker unterwegs - war ich die Abhängigkeit von einem Dokumentenformat und der Unterstützung eines Herstellers Leid und suchte nach Alternativen.
 
Kriterien zur Auswahl waren (und sind heute immer noch):
  • Plattformunabhängigkeit (freie Wahl des Betriebssystems)
  • Kompatibilität zu gängigen Standardprodukten
  • Gut aufgestellter Hersteller und eine breite Unterstützung von Drittherstellern
  • Unterstützung aller gängigen Office Anwendungen
  • Unterstützung von offenen Standards

Etwas Historie

Meine Wahl fiel auf eine 1995 gut ausgebaute Office Suite: StarOffice der Firma Star Division. Es war damals die erste Betriebssystem-unabhängige (!) Suite überhaupt. Ob sie einen Linux-, Apple- oder eine Microsoft-Computer ihr Eigen nannten: StarOffice lief auf allen diesen Betriebssystemen.
Der junge Entwickler aus Lüneburg Marco Böries, der dieses Programm 1985 zu entwickeln begann, zeigte Weitblick bei der Entwicklung seiner alternativen Softwaresuite für das Büro. Auch in Asien wurde StarOffice vertrieben, was wegen der Unterstützung asiatischer Schriftzeichen (Unicode) eine besondere Leistung war.
Konsequent wurde die Suite weiter einwickelt, die Plattformunabhängigkeit in Bezug auf Betriebssysteme beibehalten, die Unterstützung anderer Dokumentenformate konsequent ausgebaut und die Software 1998 sogar für die private Nutzung kostenlos zum Gebrauch freigegeben. Leider blieben Mac-Benutzer in dieser Zeit aussen vor. Dies ist wohl der damals recht exotischen Betriebssystemsoftware dieses Herstellers zu schulden und sollte sich mit dem Schwenk bei Apple zu Mac-OSX 2006 schlagartig ändern. Umgehend stand eine Version von StarOffice bereit.
Als sich die renommierte Software- und Hardwareschmiede SUN (u.a. Erfinder der Programmiersprache Java) 1999 anschickte, StarOffice für einen hohen zweistelligen Millionenbetrag aufzukaufen und in Folge sowohl für private als auch kommerzielle Nutzung freigab, war ein erster Meilenstein zur heutigen freien Office Suite getan. Bis 2010 schrieb die Firma SUN mit OpenOffice eine beispiellose Erfolgsgeschichte im Bereich freier Software.
Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Sun Microsystems kam in finanzielle Bedrängnis und ist seit dem 27. Januar 2010 eine 100%-ige Tochter der Oracle Corporation. Ein weltweiter Aufruhr ging durch die Reihen der Nutzer von OpenOffice (und andere bekannte OpenSource Software, wie Java und MySQL). Würde die streng kommerziell orientierte Firma Oracle dem freien (!) Open Office weiter die Treue halten?
Man darf dabei nicht vergessen, dass Hunderte von Top-Entwicklern - sowohl privat als auch in Firmen eingebunden und dem Gedanken freier Software verpflichtet - in das freie Open Office ihr Herzblut gesteckt hatten!

Lizenzfragen

Zahlreiche Firmen bauen und bauten ihre Produkte und Support rund um das freie Office Paket auf: eine Folge und möglich durch die freie Lizenz von OpenOffice / LibreOffice. Eine freie Softwarelizenz schützt das Copyright des Programmcodes, legt die Verwendung der Software fest und regelt deren Weitergabe.
Open Office 3 stand erstmals vollständig unter der LGPL. Dies ist ein für alle Beteiligten strategisch entscheidender Punkt, besonders wenn es um die Zusammenarbeit mit Software andersartiger Lizenzformen geht. Wenn also z.B. Firmen OpenOffice mit ihren eigenen - nicht freien, d.h. kommerziellen Produkten - zusammen vermarkten wollen.
Die LGPL stellt sicher, dass
  • die Software für einen beliebigen Zweck benutzt werden darf
  • die Software beliebig vervielfältigt und weitergegeben werden darf
  • sie nach eigenen Bedürfnissen abgeändert werden kann
  • die geänderten Versionen an Dritte uneingeschränkt weitergegeben werden dürfen
  • der Quelltext offen bleibt (der eigentliche Programmtext), d.h. für jedermann öffentlich zugänglich gemacht werden muss
  • neue Versionen wieder unter der LGPL freigegeben werden müssen
  • es keine Konflikte bei der Mischung von freiem und unfreiem Code gibt
Eine Lizenz wie die LGPL schützt nicht nur die Programmierer, sie schützt auch das Programm an sich vor Übernahmen, Besitzer, Firmenwechsel oder Lizenzänderungen.
Wie schon erwähnt: OpenSource-Software kann nie alleine und muss immer im Kontext seiner Entwickler- und Anwendergemeinde gesehen werden. Dies ist von jeher essentieller Bestandteil und Motor dieses Konzepts [2].

Die Spaltung

Was ein Hersteller riskiert, wenn er diese Grundsätze und dem Umgang mit der Entwickler- und Anwendergemeinde nicht gewohnt ist oder gar - aus welchen gut gemeinten Gründen auch immer - übergeht, zeigte in Folge die Lizenzänderung der OpenOffice Suite durch Oracle nach der Übernahme von SUN (2010):
Open Office sollte auf einmal vermarktet werden und wurde seiner Freiheiten beraubt. Im Dezember 2010 ließ Oracle verlautbaren: Open Office 3.3 wird in zwei Versionen veröffentlicht. Privatanwender und kleinere Unternehmen sollten mit 39 €r gößere Unternehmen in einer ”Enterprise Version” mit 71 € zur Kasse gebeten werden. Der bisher problemlose Download wurde eingestellt. Weltweite Empörung ging durch die Reihen.
Viele Entwickler ließen sich dies nicht bieten und gründeten am 28. September 2010 kurzerhand einen eigenen Entwicklungszweig von Open Office (”Fork” genannt), sahen sie sich doch genötigt ”ihr” geistiges Eigentum zu schützen. Der originale Code stand ja unter der LGPL. Man nannte das Projekt LibreOffice und organisierte alles unter dem Dach einer Stiftung, der Document Foundation. Laut tönte der damalige Oracle-Chef Larry Ellison, das Projekt werde sang und klanglos untergehen … weit gefehlt.
Binnen kürzester Zeit verließen protestierend massenweise namhafte Entwickler das Oracle Open Office Projekt (hier zukünftig ”Open Office” genannt) und schlossen sich der Document Foundation an. Alle größeren Linux Distributionen stellten ihre Standardsoftware auf LibreOffice um.
Oracle lenkte nach einer langen peinlichen Schweigephase ein - denn was ist ein Softwareprojekt ohne Entwickler und ohne Community?:Code auf einem Server, mehr nicht.
Schlussendlich rang man sich zur Freigabe und Weiterentwicklung des Open Office Codes unter dem Dach der Apache Software Foundation durch.
Die Document Foundation ist seit Februar 2012 eine anerkannte Stiftung mit Sitz in Berlin und vertritt damit die LibreOffice Entwickler in allen rechtlichen Belangen.

Wer hat den Schaden? Keiner!

Bis auf eine kurzzeitige Verunsicherung auf Seiten der Entwickler- und Nutzergemeinde, Lizenzrangeleien, Schweigemaratons, Verunsicherungs- und Einschüchterungsversuche seitens Oracle haben sich die Dinge binnen kürzester Zeit normalisiert und geregelt.
Es zeigt sich, welch großes Vertrauen man in offene Software Projekte setzen kann, die sich einer großen ”Community” und einer offenen, rechtssicheren Lizenz erfreuen.
 
Fazit: beide Produkte stehen nun unter einer freien Lizenz, werden unter dem Dach vertrauensvoller Organisationen rechtssicher und rechtsstaatlich abgesichert vertreten und erfreuen sich Unterstützung großer Firmen:
  • bei Open Office sind dies zur Zeit hauptsächlich Oracle und IBM
  • LibreOffice wird neben allen großen Linux Distributoren (Canonical für Ubuntu, Novell für Opensuse, Red Hat für das gleichnamige Betriebssystem) auch von Google und Intel unterstützt. Zudem: die ”Mutterorganisation” der quelloffener Software, die Free Software Foundation hat sich LibreOffice auf ihre Fahnen geschrieben..
Alle diese Firmen sind hinlänglich für ihr Engagement im OpenSource-Bereich bekannt und allesamt ”Global Player”! Die Spreu hat sich vom Weizen getrennt und die Fronten sind geklärt. Kleingeister haben das Boot verlassen, standhafte Partner haben ihre Zusagen erneuert.
Zwei Produkte buhlen nun um die Kundschaft und basieren auf einer gemeinsamen Codebasis. Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft und in Sachen OpenSource kann der eine sogar problemlos vom anderen lernen, ohne dabei rechtliche Konsequenzen fürchten zu müssen. Unter Einhaltung der Richtlinien der jeweiligen freien Lizenzen - versteht sich.
 
In meinen Augen hätte dem freien Office Projekt nichts besseres passieren können!
Es gibt zahlreiche Beispiele für ”Forks” und ist eine gängige Praxis im Bereich quelloffener Software. Am Rande: das deutsche Wort für Fork”: ”Abspaltung” hat - finde ich - einen eindeutig zu negativen Einschlag und trifft dieses völlig natürliche und berechtigte Vorgehen nicht ganz. Forks bringen die Entwicklung voran, ermöglichen Entschlackung von Code, neue Teams, neue Ideen, frischen Wind.
Da hierdurch kein ”Schaden” entsteht, führen Forks langfristig zu besserer Software. Das ist es, was wir alle - Entwickler und Anwender - doch letzten Endes wollen. Hier muss allerdings klar gesagt sein: je mehr sich beide Projekte auseinander entwickeln, desto schwieriger und unwahrscheinlicher wird ein Austausch von Programmcode! Welche Auswirkungen dies langfristig auf die Brüder LibreOffice und Open Office hat, wird die Zukunft zeigen.

 

Was unterscheidet die Kontrahenten

Der Leser möge sich auf den einschlägig bekannten Wissensdatenbanken (z.B. die Wikipedia) oder den bereits genannten Seiten der Dachorganisationen über die Funktionalität und Kompatibilität kundig machen. Ich möchte nachfolgend lediglich auf die gravierenden Unterschiede und Gemeinsamkeiten eingehen.
Generell kann man zur Zeit sagen: während LibreOffice mit großen Schritten vorangeht und eine verbesserte Version nach der Nächsten veröffentlicht, wird die Software Open Office eher im Hintergrund überarbeitet. Angekündigt ist eine neue OO-Version mit der Nummer 3.4 für den Sommer 2012.
Die Entwicklung ist so oder so in vollem Gange.

Gemeinsamkeiten

ODF

Die wichtigste Gemeinsamkeit ist wohl die Nutzung des OpenDocument (ODF)-Formates - durch die international tätige Organisation OASIS standardisiert und seit 2006 international genormt (ISO / IEC 26300).
So erfreut sich ODF weltweit seit Jahren großer Beliebtheit. Die Vorzüge der Verwendung eines vollkommen offenen Dokumentenstandards habe ich bereits anderweitig geschildert [1] und muss auch angesichts des Vorstoßes zahlreicher Staaten, Firmen und Organisationen nicht weiter erläutert werden.

Komplette Abdeckung von Standard Office-Komponenten

Beide Suiten decken nach wie vor die volle Palette von Standardkomponenten für das Büro und die wissenschaftliche Dokumentation ab: Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentation, Erstellung von Grafiken, Datenbankanwendung und wissenschaftlicher Formeleditor.
Die Pakete lassen sich beide durch zahlreiche Addons und Filter für diverse Zwecke erweitern. Es existieren zahlreiche freie Vorlagensammlungen für alle denkbaren Szenarien. Open Office gibt derzeit ein wenig übersichtliches Bild für verfügbare Erweiterungen ab. Als Einstieg bietet sich dem Nutzer eine ein wenig lieblos gemachte Download-Seite für Komponenten. Der alte ”Service”-Bereich für Vorlagen ist im Internet nicht mehr verfügbar. LibreOffice wartet mit einer deutlich übersichtlicheren Webpräsenz auf. Trotzdem können beide Angebote nicht recht überzeugen und Anwender sind wohl recht schnell überfordert. Hier ist meiner Meinung nach noch viel Arbeit nötig um die Nutzer anforderungsorientiert, schnell und zielgerichtet mit Lösungen zu versorgen.
Ich konnte in den letzten Jahren keine Lücken entdecken, welche mich daran gehindert hätten professionell mit Open Office zu arbeiten: Serienbriefe in einem Büro mit Datenbankanbindung und mehreren Mitarbeitern, Diagramme in allen Versionen gefüttert mit den Daten von Tabellen, komplexe Kalkulationstabellen, das Nachbilden von Amtsvordrucken, Ausarbeitungen anfertigen, Präsentationen herstellen ... nur das geliebtes LaTeX konnte - für mich persönlich - an mancher Stelle die freie Bürosuite ausstechen.
Alle Unkenrufe nach dem Motto: ”das kann Openoffice nicht, mein Excel macht das so und so viel besser” konnten nach eingehender Recherche entkräftet werden. Das Problem sitzt eben meistens zwischen Rückenlehne und Bildschirm und nicht auf der Festplatte. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Doch dies ist ein anderes Thema.
Die Anzahl fehlender Funktionen reduziert sich zügig Jahr um Jahr, viele Vorteile gegenüber anderen Büro-Suites (flexible Datenbankanbindung, Scripting mit diversen Programmiersprachen, allen voran Java) und vor allen Dingen ein zukunftssicheres Dokumentenformat machen Open Office / LibreOffice für mich zur ersten Wahl.

Plattformunabhängig

Beide Projekte unterstützen zahlreiche Betriebssysteme und sowohl 32 als auch 64-bit Computer verschiedener Architekturen.
Hier ist in Zukunft angesichts zahlreicher mobiler Kleingeräte, des Android-Booms und - damit einhergehend - generellen Vorstoßes von ARM-basierten Kleincomputern eine Menge zu erwarten.

Unterschiede

Datenbanken

Im professionellen wie privaten Umfeld ist eine Datenbankanbindung (Stichwort ”Serienbrief”) unabdingbar.
Von Haus aus (SUN / Oracle) unterstützt Open Office die Anbindung zahlreicher Datenbanken wie MySQL, HSQL, SQLite oder PostgreSQL mittels spezieller Adapter (JDBC, ODBC). MySQL wird sogar - jedoch proprietär - nativ unterstützt. Da Oracle selbst MySQL seit kurzem sein Eigen nennt (wie auch die ”Oracle” Datenbank) ist hier Kontinuität zu erwarten.
LibreOffice konnte diese Eigenschaften, bis auf proprietäre Erweiterungen übernehmen und kümmert sich daher gerade besonders um fehlende Schnittstellen zu MySQL (und MariaDB, einem Fork von MySQL).
Ganz generell empfehle ich jedoch bei neuen Systemen von vorne herein freie Datenbanken wie PostgreSQL zu verwenden.
Auf lange Sicht werden sicher alle gängigen Standards von beiden Kontrahenten weiter gepflegt oder gegebenenfalls von Drittanbietern zur Verfügung gestellt. Dies ist ja auch jetzt schon so und zahlreiche Firmen verdienen hier ihr täglich Brot.

Externe Software

Der allseits beliebte Duden Korrektor - der übrigens schon für Staroffice 5 verfügbar war - ließ sich anfänglich nur schwer mit Libreoffice zur Zusammenarbeit bewegen, wird aber mittlerweile ab Version 8.0 voll unterstützt.
Diverse andere Projekte setzen jedoch nach wie vor voll auf Open Office. Hier muss man im Einzelfall entscheiden. Da sich beide Pakete letzten Endes auf Dauer in ihrer Basisfunktionalität kaum unterscheiden werden, ist dies in meinen Augen verschmerzbar.
Hier gilt: vorher informieren. Denn …

LibreOffice und OpenOffice parallel installieren

Derzeit ist dies - besonders unter Linux - ein großes Problem. Man muss sich auf eine der beiden Suiten beschränken!
Zu eng sind noch die Verflechtungen auf Betriebssystem- bzw. Distributionsebene. Ich bin sicher, dass dies im Zuge der Weiterentwicklung Berücksichtigung finden und in Zukunft kein Problem mehr darstellen wird. Zur Zeit ist man in dieser Hinsicht jedoch eingeschränkt.
Eine Besonderheit stellt Java dar. Teilweise setzen hier die Distributionsanbieter voll auf Openjava. Dagegen spricht grundsätzlich nichts, wer aber unbedingt ein Standard-Java benötigt, dem bleibt oft nur der Griff zu Open Office oder er bekommt Probleme bei der Installation gewisser Erweiterungen. Hier spielt auch eine Rolle, welches Betriebssystem in welcher Version verwendet wird (32 / 64-bit). Mit blieb unter meinem 64-bit Ubuntu-Linux nur der Griff zur Open Office Kompilation Oxygen Office, da sich gewisse Probleme mit 64-bit Java einfach nicht lösen ließen (ohne dabei das Paketverwaltungssystem mutwillig zu übergehen).
Ich selbst bleibe zur Zeit bei Open Office. Weniger weil ich möchte, sondern weil ich Software nutzte, welche nur mit Open Office - derzeit - einwandfrei zusammenarbeitet. Da sich LibreOffice auf den von mir verwalteten Ubuntu-Systemen einfach austauschen lässt, stellt die kein Problem dar.

Makros

Für die allseits bekannte und beliebte ”Makroprogrammierung” stehen zahlreiche Sprachen zur Verfügung. Hier ist im Firmenumfeld die größte Hürde zu sehen. Projekte, wie die Umstellung der Münchner Stadtverwaltung (LiMux) auf Open Office und Linux gingen den Weg eines sanften Übergangs. Dabei wurden Makros unter Nutzung von allgemein anerkannten und plattformunabhängigen Standards stückweise umprogrammiert. Java, das übrigens - ursprünglich von SUN entwickelt - nun auch Oracle gehört spielt hier die Hauptrolle.
Die Nutzung von StarOffice Basic, eine in weiten Teilen mit Microsoft Visual Basic for Applications kompatible Makrosprache ist natürlich möglich. Bei einfachen Skripten funktioniert hier die Übernahme von Makrofunktionalitäten aus MS Office Dokumenten. Komplexere Makros muss man wohl oder übel umprogrammieren und macht sich - mehr wohl als übel - in diesem Zuge unabhängiger. Langfristig ist dies wohl überlegt und macht sich bezahlt, wie die Münchner uns zeigen.
Bei beiden Softwareprojekten, LibreOffice und Open Office, liegt der Fokus weiterhin auf der Verbesserung der Kompatibilität mit der Microsoft Office Familie. Dabei wird der Ausbau der sogenannten UNO Schnittstelle (Universal Network Objects) vorangetrieben, welche die universelle Schnittstelle zur (Makro-)Programmierung von Open Office und LibreOffice mit den Sprachen Java, Javascript, Python, C, C++ und StarOffice Basic darstellt und vereinheitlicht.
UNO ist eine solide Basis und ein gemeinsamer Standard zur Makroprogrammierung für das gemeinsame Dokumentenformat ODF. Hier sind langfristig keine Überraschungen oder Brüche zu erwarten.

Alternativen für das ODF Format

Das Original ist das Original. Wer keine wirklich professionellen oder kollaborativen Ansprüche hat und seine private Korrespondenz auf dem PC erledigt, für den gibt es zahlreiche Alternativen. Ich kann leider nur auf wenig Erfahrungen hierbei zurückgreifen. Diejenigen, die ich gemacht habe (z.B. mit Gnumeric als Teil von Gnome-Office) waren leider wenig erfreulich. So sei dieses Thema und das Testen von KOffice, Gnome-Office oder anderen Projekten welche das ODF-Format unterstützen der Recherche des Anwenders überlassen.

 

Fazit

Die Verwendung der einen oder anderen Suite bleibt derzeit dem Nutzer ohne Nachteile völlig freigestellt.
Je nach Einsatzzweck und unter Berücksichtigung der Eignung in Zusammenarbeit mit externen Programmen wie Java und dem - wohl temporären - Sonderfall MySQL kann man sich vorurteilsfrei beiden Projekten zuwenden. Hier dürfen auch ruhig Sympathien für die eine oder andere Partei eine Rolle spielen. Sowohl das Format als auch Erweiterungen und Addons sind derzeit weitgehend untereinander kompatibel.
Ich selbst bin in Hinsicht auf den Einsatz nüchtern und verwende eine komplette Zusammenstellung von Open Office-Komponenten und Erweiterungen: ”Oxygen Office”. So habe ich LibreOffice - vorübergehend - deinstalliert und bin vollauf zufrieden.
Das OpenDocument-Format hat somit eine viel versprechende Zukunft mit zwei bestens aufgestellten Office-Suiten.
Das Abwarten in turbulenter Zeit und das geschenkte Vertrauen auf die Entwicklergemeinde und in die Lizenzsicherheit hat sich gelohnt.

References

[1] Axel Pospischil: “XML Filter unter Openoffice 1.0.x am Beispiel von EML”, , pp. 66, 2004. URL http://www.blue-it.org/xml-dokumentenkonvertierung-mit-openoffice-11x-am-beispiel-eines-e-learning-systems.

[2] Eric Steven Raymond: “The cathedral and the basar”, The authors homepage, 1998. URL http://www.catb.org/~esr/writings/homesteading/cathedral-bazaar/.

Hinweise
 
SUN, Oracle, Microsoft, Apple, Canonical, Novell, Red Hat, Intel, IBM, Star Division sind oder waren Firmennamen weltweit tätiger Unternehmen. Java, MySQL, StarOffice, Word, (Oracle) Open Office, LibreOffice, SmartSuite sind Produkte und / oder Warenzeichen oder eingetragene Warenzeichen der zugehörigen Herstellerfirmen und unterliegen den jeweiligen Lizenzbestimmungen.

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